"BUTTERKIND"

Drehbuch

20.11.1998

Inspiriert durch die Erzählung

"Goodnight Mister Tom"

von Michelle Magorian

Der Film

Mein Film versteht sich als ein Drama im klassischen Sinne. Es geht um einen 8jährigen Jungen, der im Rahmen der Kinderlandverschickung nach dem zweiten Weltkrieg aus der Großstadt Köln in ein kleines Dorf am Niederrhein gebracht wird.

Das Kind kommt mit auffallenden psychischen Störungen bei einem älterem Mann unter, der selbst aufgrund seiner eigenen Vergangenheit große Schwierigkeiten hat, sich des Kindes anzunehmen. Aber nach einer Phase des "aneinander Gewöhnens", entsteht eine sehr liebevolle Verbindung zwischen den beiden.

Der Gastvater versteht es dem Kind ein Selbstvertrauen zu geben, das es bis dato nicht gekannt hat.

Nach einer (für Winnie) schönen Zeit auf dem Land kommt aber die Nachricht von der Heimkehr und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

 

Charaktere der Hauptdarsteller in "Butterkind"

 

 

Jan Peters

Ein Mann im Alter von 60 Jahren, der in seinem Leben einige schwere Schicksale (der erste und zweite Weltkrieg, den Verlust seiner schwangeren Frau Elisa) ertragen mußte und sich aus diesem Grund sehr von seiner Umwelt distanziert hat. Er lebt zurückgezogen und pflegt nur sehr wenig soziale Kontakte (wie z.B. zum Doktor und seiner Frau Maria) ist aber im Dorfleben, schon auf Grund seines Alters durchaus anerkannt und integriert.

Auf Grund dessen, daß Jan Peters schon so lange alleine lebt, sind seine Verhaltensstrukturen sehr auf seine Person bezogen, womit die anfänglichen Schwierigkeiten der Kontaktaufnahme zu Winnie begründet werden. Seine Offenheit schlummert allerdings nur unter der Oberfläche und die Anfängliche Verbohrtheit schlägt sehr bald in eine Art von väterliche Fürsorge und Liebe zu seinem kleinen Gast um.

 

Winnie Reul

Ein Junge im Alter von 8 Jahren. Ein blasses und dürres Kind, dem nie die Möglichkeit gegeben wurde, sich in seinen Eigenschaften selbständig zu entfalten. Die überstrenge Mutter und ein Vater der dem Alkohol verfallen ist, beschränken und formen das Verhalten des Kindes so stark, das es für ihn unmöglich ist, auf Konflikte einzugehen oder sie gar zu meistern. Winnie zeichnet sich anfänglich seiner Umwelt gegenüber in einem absolut passiven Verhalten (seine Schweigsamkeit in den ersten Szenen) aus. Er ist sehr ängstlich, was im laufe seines Aufenthaltes auf dem Land zwar nicht von ihm abfällt, er aber in seinen grundlegenden Charaktereigenschaften durchaus gestärkt wird. Er wird selbstbewußter und sehr viel offener.

 

Peter

Ein Kind im Alter von 8 Jahren. Peter ist in allem der Gegenpol zu Winnie. Er ist lebendig, selbstbewußt und hat während seiner Kindheit sehr viel Liebe und Zuneigung genossen.

Seine offene Art bringt ihm beim Zuschauer von Anfang an sehr viel Sympathie entgegen, obwohl er oft zu Übertreibungen neigt.

 

Gertrud Reul

Eine Frau mittleren Alters. Sie ist auf Grund von traumatischen Erlebnissen in der Vergangenheit und mangelnder Intelligenz zu einer Person geworden, der es unmöglich ist, sich der Umwelt anzupassen. Konflikte zu ihren Vorgesetzten werden geschluckt, um sie dann später an ein schwächeres Glied durch aggressive verbale Attacken oder körperliche Züchtigung schon beim kleinsten Grund weiterzugeben. Sie steht im Zwiespalt zwischen der Person, die sie ist und der die sie gerne währe (sie bemüht sich schon bei Winnies Rückkehr nicht sofort mit übernötiger Strenge zu reagieren). Mütterliche Gefühle sind ihr nicht fremd, aber auf Grund ihrer psychischen Gestörtheit werden sie sehr verdrängt und kommen nur noch anhand von kleinen Gesten zum Vorschein. Sie ist im psychischem Sinne ein Opfer des Krieges.

 

Anmerkung des Autors

Der erste Teil des Filmes spielt in der großzügigen Landschaft des Niederrheins. Die Zeit des Hochsommers unterstreicht, das die beiden Hauptdarsteller Winnie und Jan sich sehr wohl fühlen. Auch das kleine sehr primitive Dorf in dem Jan lebt fällt für die Lebensqualität dort, nicht ins Gewicht.

Mit der Rückkehr nach Köln wird das Wetter immer schlechter. Die kleine, dunkle und sehr spartanisch eingerichtete Wohnung von Winnies Mutter, in der große Teile des zweiten Teiles spielen, soll die klaustrophobische Wirkung auf die immer gewalttätiger werdende Situation verstärken.

Ich habe für "Butterkind" die Zeit um 1950 ausgewählt, um dem Zuschauer zu zeigen, daß kindlicher Mißbrauch, in welchem Sinne auch immer, kein Problem der Neuzeit ist. Courage aber, heute mehr den je benötigt wird.

Letztlich möchte ich noch erwähnen, daß in "Butterkind" nicht das Thema des Krieges aufgearbeitet werden soll, nur indirekt, durch die psychische Gestörtheit der Mutter.

Thomas Binn

Januar 1999

 

Leseproben

Szene 13

Szene 42

 

 

 

 

 

 

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